David Schubert hat einen befreundeten Programmierer
gebeten, ein kostenloses Tool zu schaffen, das jeder Kollege gebrauchen kann.
Fast jeder Journalist steht immer wieder vor der Aufgabe, Texte in exakt
vorgegebener Länge zu produzieren. Wenn man dabei auf das Standardprogramm Word
angewiesen ist, gestaltet sich das Schreiben sehr umständlich.
Lautet die Vorgabe beispielsweise "Nicht mehr als 2000
Zeichen!", dann muss man die Arbeit immer wieder unterbrechen und zweimal
klicken: Erstens auf Extras in der Menüleiste, dann auf Wörter zählen
im Menüfeld. Erst hier findet man die Zahl der Zeichen, die man bereits
geschrieben hat.
Hilfsweise kann man sich zumindest einen Tasten-Shortcut
programmieren, wenn man das kann. Eine Tastenkombination gedrückt, und schon
erscheint die Statistik mit Wörtern, Zeichen und Zeilen. Die Sache funktioniert
wie folgt:
1. Menü Extras aufrufen
2. auf Anpassen klicken
3. dort auf den Reiter Befehle
4. dann unten auf Tastatur klicken

5. links bei Kategorien auf Extras klicken
6. in der Mitte bei Befehle den Befehl ExtrasWörterZählen
wählen
7. unter Kategorien in Neue Tastenkombination drücken
hineinklicken
8. eine Tastenkombination drücken, zum Beispiel ALT
gedrückt halten und Z tippen ("Z" wie Zeichen und Zeilen)
9. Zuordnen klicken und mit Schließen beenden
Ab sofort kann man die Zahl der Zeichen, Zeilen und Wörter nun
mit der Tastenkombination "ALT+Z" aufrufen. Aber auch das unterbricht
den Arbeitsablauf.
Der Journalist David Schubert hat sich deshalb darum bemüht,
das berufstypische Zeichenzähl-Problem eleganter in den Griff zu bekommen. Er
bat einen befreundeten Programmierer, Ludwig Pumberger, ein entsprechendes Tool
zu entwickeln. Das Ergebnis liegt nun vor und kann hier
kostenlos heruntergeladen werden.
Das Freeware-Programm nennt sich ShortEdit und wiegt nur
44 Kilobytes. Man braucht es nach dem Herunterladen nur zu starten - das
schlanke Programm schont nicht nur Systemkraft, sondern gräbt sich auch nicht
ins Windowssystem. Man kann es also gefahr- und bedenkenlos installieren.
ShortEdit, ein simpler Editor, funktioniert als eigenes
Programm. Somit unabhängig vom verwendeten Textprogramm. Man gibt nur die gewünschte
maximale Zeichenzahl ein. Und schon kann man losschreiben. Unten wird in
Echtzeit angezeigt, wie viele Zeichen man von den vorgegebenen bereits
geschrieben hat. Die Anzeige erfolgt nicht nur numerisch, sondern auch
prozentual. Wird der Text zu lang, erscheint eine Warnung. Exakt wird angezeigt,
wie viele Buchstaben man zu viel geschrieben hat:

Einstellen lässt sich noch die gewünschte Schriftart. Man kann
auch drucken, Zwischenablagen im- und exportieren und das Ganze als Textfile
abspeichern. Das Programm ist simpel - aber was es bietet, bietet Word nicht.
Eine weitere Lücke in MS-Word: Man kann nicht in mehreren Texten gleichzeitig suchen
und ersetzen. Ein Problem, das in der Praxis gar nicht so selten auftaucht.
Entweder muss man dann alle Texte nacheinander öffnen und die Suchvorgänge
einzeln ausführen. Oder alle Texte zusammenbauen und hinterher wieder
auseinander.
Leichter geht es mit "seRapid"
von Ingo Straub. Das Programm durchsucht bestimmte Ordner - auf Wunsch den
ganzen Rechner - nach Dateien und Textstellen. Die Suchergebnisse zeigt es in
einer übersichtlichen Liste mit Textausschnitten und Hypertextlinks an. Nach
der Suche können die gefundenen Textstellen ersetzt werden, und zwar nicht nur
in Text-, sondern auch in Binärdateien.
Spezialisiert ist das Programm auf
Word-Files, die es mit einem eingebauten Textfilter
bearbeiten kann. Für private Testzwecke ist das Programm kostenlos, gewerbliche
Anwender müssen sich registrieren.
Wer Texte erfassen muss, stöhnt oft über die einfachen Fehler, die einer
Texterkennungssoftware (OCR) unterlaufen können. Zum Beispiel werden öffnende
Anführungszeichen, die im Deutschen bekanntlich unten stehen, als Kommafolge
(",,") interpretiert.
Daraus kann man ableiten, dass das OCR-Programm
wahrscheinlich außerhalb Deutschlands entwickelt wurde - was aber nicht weiter
hilft, denn der Fehler kommt durchgängig vor und nervt. Hier schafft Jürgen Hinrichs mit einem
einfachen Word-Makro Abhilfe. Es beseitigt, wie Hinrichs formuliert, "den
gröbsten Schrott aus eingescannten Texten". Das Makro ist gratis.
Texte aus E-Mails zu verarbeiten, beschert allzuoft Ärger. Eines der Übel,
das glücklicherweise immer seltener vorkommt: Die Umlaute fehlen. Oeffnen kann
man solche Texte zwar selbst mit aeltesten Mail-Programmen, aber das
Verarbeiten wird muehsam. Hier bietet Jürgen Hinrichs ein weiteres Gratis-Makro
an ("Textumw2"),
das überall Umlaute ersetzt, wo ein "ae", "oe" oder
"ue" im Text steht.
Leider nur ein Notbehelf, denn Ausnahmen werden
übersehen. Nicht jedes "ae" ist ein "ä". Selbst wenn aus
der "Paella" eine "Pälla" wird - ansonsten wird der gröbste
Buchstabenschrott erst mal beseitigt.
Viel häufiger führen die automatischen Zeilenumbrüche zu Problemen.
Mailtexte, die nicht in HTML gesendet werden, brechen jede Zeile um. Ergebnis
ist eine Absatzmarken-Orgie im Textprogramm. Der Text muss mühsam, Zeile für
Zeile, neu formatiert werden.
Hier biete ich Ihnen mein Makro "MailsZuText" kostenlos an.
Seine simple Suchen-und-Ersetzen-Routine verwandelt jeden Mailtextblock zurück
in einen Fließtext.
Auch in Axel Steinborns umfangreichen Makro-Sammlungen
"PIMplus" und "MakroPlus" stecken Ergänzungen für Word,
die jeder Journalist gebrauchen kann. Kostenlos sind die Makros nicht, aber man
darf sie als Testversion downloaden.
Schließlich noch ein Tipp für alle Journalisten, die Rundfunk-
und Fernsehbeiträge schreiben. Susanne Gann aus Stuttgart hat ein "Sprechdauer"-AddIn
programmiert. Diese Word-Aufrüstung bietet eine Stoppuhr, mit der man die Dauer des jeweiligen Beitrags ermitteln kann.
Während die Uhr läuft, kann man durch das Dokument blättern und den Beitrag am Bildschirm lesen. Aufgrund der Zeichenanzahl wird die Vorlesegeschwindigkeit in Zeichen pro Sekunde ausgegeben.
Falls man am Ende des Beitrags noch Stichwörter, alternative Formulierungen oder Ähnliches vor sich her schiebt, kann man die Berechnung auf den aktuell markierten Text beschränken.
Die Testversion des Add-Ins mit Installationsprogramm kann man hier
herunterladen. Sie bietet den vollen Funktionsumfang und ist zeitlich unbeschränkt einsetzbar. Die Testversion zeigt lediglich ein nerviges "Kauf-mich"-Formular vor jeder Verwendung.
Frank
Rosenbauer
